Die Geschichte des Vaudeville Blues

Vaudeville Blues ~ der elegante Blues der frühen Zeit

Von Christian Christl

„Vaudeville“ kommt aus dem französischen und bedeutet so viel wie „Stadt des Chansons“. Es gibt aber auch Quellen, die berichten, dass er sich aus „Voix de Ville“, also Stimme der Stadt entwickelt hat. Gemeint waren fahrende Sänger, die von Stadt zu Stadt zogen, auf den Marktplätzen ihre Wagen zu Bühnen umbauten und für das Volk ein kleines unterhaltendes Spektakel aufführten. Ende des 19. Jahrhunderts waren „Vaudeville-Shows“ in Frankreich sehr beliebt. Immigranten aus Frankreich, die in den USA eine neue Heimat suchten, brachten die Idee dann über den großen Teich.

In den frühen 1880er Jahren gründeten sich mehr und mehr Vaudeville-Theater in den USA. Mit Showzelten zogen große und kleine Showtruppen von Stadt zu Stadt. Meist präsentierten sie Comedians, Artisten, dressierte Tiere, Doppelgänger von berühmten Persönlichkeiten, Zauberer, Jongleure und auch Musiker. Je nach Größe der Vaudeville-Truppe waren es eher kleine Combos.

Viele Jahrzehnte lang waren Vaudeville-Shows das Herz des amerikanischen Entertainments. Lange bevor es Fernsehen oder Radio gab war es für jede Stadt ein großes Ereignis, wenn eine Truppe für ein paar Tage ihr Zelt aufbaute und die Bevölkerung mehrere Abende hintereinander unterhielt, bevor sie in die nächste Stadt weiter zogen.

Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts war der Blues eine der populären Musikformen in den USA. Auch Ragtime und klassische Musik waren sehr beliebt. Deshalb präsentierten viele Vaudeville-Shows Künstler, die diese Musikrichtigungen spielen konnten. Da es so etwas wie Sponsoring erst später geben sollte waren alle Vaudeville-Shows auf Ticketeinnahmen angewiesen, um ihre Kosten zu decken und ein wenig Geld zu verdienen.

Vorallem für den Blues entwickelte sich in den Vaudeville-Shows eine ganz eigene Musikrichtung. Vergegenwärtigen wir uns, dass der Blues populäre Musik war. Er war lustig, er war tanzbar, er war traurig, er war unterhaltend. Der Blues war das, was wir bei uns als Schlager bezeichnen würden. Die Musiker und Komponisten aber, die die Musik für die Vaudeville Shows komponierten, gingen einen weiteren Schritt: Sie lösten sich vom einfachen Blues-Schema der drei Akkorde, fügten neue hinzu, erhoben Melodie-Linien und die Geschichte des Songs aber zum wichtigsten Element. Jetzt brauchte es nur noch die entsprechenden Künstler, die tagesaktuelle Geschichten aus anderen Städten, oder Zwischen-Menschliche Beziehungs-Anekdoten oder einfach nur elegant formulierte sexuelle Anspielungen auf der Bühne entsprechend rüber bringen konnten.

Meist waren dies Damen, die begleitet von einer kleinen Combo oder nur von einem Pianisten auf der Bühne standen und erzählten und sangen. Um die Eintrittsgelder für die Tickets rechtfertigen zu können, kleideten sich die Musiker elegant. Die Herren, wenn möglich, im Smoking mit Fliege und Einstecktuch. Die Damen mit feinen Abendkleidern, möglichst viel Glitzer und Perlen und Federboas.

Bis Ende der 1920ere Jahre gab es unzählige solcher Shows in ganz Amerika. Als 1926 die ersten Tonfilme in die „Film-Theater“ kamen, begann auch ein Umdenken im großen Geschäftszweig der Vaudeville-Theater.

Wie immer geht so etwas nicht von heute auf morgen. Aber langsam, Stück für Stück entwickelten sich feste „Vaudeville-Theater“, kleine Konzerthäuser mit fester Bühne. Die Organisatoren buchten Shows, oder einzelne Künstler und stellten selbst Shows zusammen. Damit wir war der Untergang der fahrenden Musiker besiegelt.

Der Einfluss der Vaudeville-Shows auf das heutige Entertainment ist deutlich spürbar. Selbst TV-Shows wie die von Ed Sullivan, Johnny Carson bis hin zu David Letterman sind eigentlich eine logische Fortführung dessen, was irgendwann mit einem vom Pferd gezogenen Wagen, der in eine Bühne umgebaut werden konnte, begann.

Bekannte Vaudeville-Künstler:
Charlie Chaplin, Houdini, Buster Keaton, The Marx Brothers, Jimmy Yancey, Bessie Smith, Alberta Hunter, Ma Rainey, Clarence Pinetop Smith, Sippie Wallace u.v.m.

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