James P. Johnson ~ König des Harlem Stride Piano

James Price Johnson wurde am 1. Februar 1894 geboren und starb am 17. November 1955.

Er war einer der Pioniere des Stride-Piano-Stils im Jazz und baute eine musikalische Brücke vom Ragtime zum Jazz. Gemeinsam mit Jelly Roll Morton gilt er daher als wichtiger, pianistischer Meilenstein in der Entwicklung des Jazz. Denn er beeinflußte Musiker, die später zu Weltstars wurden: Count Basie, Duke Ellington, Art Tatum und auch Fats Waller.

Johnson komponierte viele Lieder, die zu Hits wurden: “Charleston”, “Carolina Shout” oder auch “If I could be with you one hour tonight”. Diese Lieder festigten seinen Ruf als “König der New Yorker Jazzpianisten”. Sein Virtuosität und Kreativität waren atemberaubend, obwohl er nie den wirklich großen Bekanntheitsgrad erreichte. Vom Musikhistoriker David Schiff wurde er auch einmal deshalb als der “Unsichtbare Pianist” bezeichnet.

Johnson wurde in New Brunswick, New Jersey geboren. Die Nähe zur Weltstadt New York eröffnete ihm das volle kosmopolitische Sprektrum dieser Metropole, von Bars und Kneipen über Cabarets bis zu dem symphonischen Konzerten.

Johnson`s Vater, William H. Johnson, war ein einfacher Angestellter in einem Laden und ein Mechaniker während seine Mutter Josephine als Zimmermädchen arbeitete. Beide waren im Methodisten Kirchen-Chor und Vater William spielte dort auch Klavier. Er hatte sich das Klavierspielen selbst beigebracht.

Später bezeichnete James P. Johnson sein zu Hause als einen Ort, in dem alle aktuellen Lieder mit Afro-Amerikanischen Hintergrund gespielt wurden. Was ihn sehr beeinflußte.

1908 zog seine Familie nach San Juan Hill, unweit wo heute das Lincoln Center steht. Mit einem unnachamlichen Talent war er bald in der Lage, am Klavier Stücke zu spielen, die er irgendwo hörte. In seiner Jugend war der Ragtime die populäre Musik. Scott Joplin`s “Maple Leaf Rag” faszinierte ihn davon am meisten.

Seinen ersten Job als Pianist erhielt er 1912 und entschied, lieber Musiker zu werden als weiterhin zur Schule zu gehen. Zwischen 1913 und 1916 studierte er die europäische Musiktradition mit seinem Lehrer Bruto Giannini. Parallel dazu entwickelte er sein eigenes Klavierspiel weiter, spielte Ragtime und begann auch eigene Rags zu komponieren.

1914 spielte er in Newark, New Jersey und traf auf die Sängerin Lillie Mae Wright. Drei Jahre später heirateten die beiden. Zur gleichen Zeit traf er auch einen anderen Pianisten namens Willie Smith. Sie entdeckten, dass sie die gleiche Spielidee am Klavier hatten und begannen auch gemeinsame Konzertabende zu spielen.1918 spielten sie zusammen in der Smart Set Revue.

Nach 1920 hatte Johnson bereits einen guten Ruf als Pianist und wurde in einem Atemzug mit Pianisten wie Eubie Blake oder Lukey Roberts genannt. Er machte dutzende sogenannte Piano-Rolls Aufnahmen. Später, als sich die Plattenindustrie weiter entwickelte, kamen Aufnahmen für Labels wie Aeloian, Perfection, Orange, Artempo, Rythmodik oder auch QRS hnzu. Zwischen 1917 und 1927 war James P. Johnson auf seinem Höhepunkt und traf auch u.a. mit George Gershwin zusammen.

Johnson war ein Meister des Stride-Pianos, das gerne als der orchestrale Stil am Klavier bezeichnet wurde. Im Kontrast zu Boogie Woogie oder Blues, so sagten die Fachleute, bedarf es beim Stride-Piano einer großen konzeptionellen Unabhängigkeit, weil die linke Hand ähnlich wie beim Ragtime sehr viel “springt” während die rechte Hand alle melodischen Teile eines Songs zu erfüllen hat.

Johnson verbesserte sein Handwerk stetig, spielte Nacht für Nacht und befriedigte die Egos von so manchen Sängern, die forderten, er müsse ein Stück in jeder nur erdenklichen Tonart spielen können. Er entwickelte sich zu einem feinsinnigen Begleiter und trat auch z.B. it Ethal Waters oder auch Bessie Smith auf. Ethel Waters hat in ihrer Biographie geschrieben, dass mit Johnson gemeinsam auf der Bühne zu stehen sie so motivierte, dass sie am liebsten gesungen hätte, bis ihre Mandeln herausfallen…

Anfang der 1920er Jahre nahm Johnson seine Eigenkompositionen “Harlem Strut”, “Keep off the Grass” oder auch den “Carolina Shout” auf Platte auf. Diese Aufnahmen gelten heute noch als die ersten reinen Jazz-Piano-Aufnahmen aller Zeiten.

Johnson schien am besten, wenn er das Klavier wie ein Schlagzeug behandelte. Seine technisch herausfordernden Kompositionen wurden gerne von jüngeren Pianisten aufgegriffen und galten bald als Prüf-Nummern für Nachwuchs-Talente bei vielen Piano-Contests.

Der Großteil seiner Aufnahmen entstand für Black Swan Records, das seinem Freund W.C. Handy gehörte.

1922 eroberte er neues Terrain und wurde der musikalische Direktor einer Show namens “Plantation Days”. Die Show war so erfolgreich, dass nach der Premiere am Broadway in New York ein viermonatiges Engagement in England folgte.

Zurück in New York schrieb Johnson gemeinsam mit dem Texter Cecil Mack die Revue “Running Wild”. Die Show hielt sich fünf Jahre am Broadway.

Nach dem großen Börsenkrach 1929 brach auch Johnson`s Karriere ein. Die Swing-Ära nahm an Popularität zu und Auftritte für die “alten” Jazzpianisten wurden seltener. Seine Musik wurde schnell von der neuen Mode für Swing abgelöst. Nur durch die Tantiemen seiner Eigenkompositionen konnte er sich über Wasser halten.

Johnson begann wieder zu komponieren. Diesmal für große Orchester. Doch die Zeiten wurden nicht besser.

Es dauerte bis Ende 1930er Jahre, als John Hammond aus New York ihn einlud, bei seinem “From Spirituals To Swing Concert” in der Carnegie-Hall aufzutreten. 1938 und 1939 spielte Johnson dort.

Im August 1940 erlitt er einen Herzanfall, erholte sich aber recht bald davon.1942 spielte er in verschiedenen Bands, u.a. mit Sydney Bechet und vielen anderen Jazz-Größen.

1944 begann er eine Reihe von sogenanten “Piano Contests” zu organiseren. Gemeinsam mit seinem Freund aus alten Tagen, “Willie – The Lion – Smith”. Aber an die guten, alten Zeiten der frühen 1920er Jahre konnte er nicht wieder anschließen.

Es folgten viele Jahre als Gastmusiker in verschiedenen Formationen, er machte für einige der bekannten Plattenfirmen Aufnahmen.

1951 erlitt er einen weiteren Infarkt und erholte sich nicht mehr davon. 1955 starb er in New York.

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