Sun Studios in Memphis feiern Geburtstag ~ Portrait

Happy Birthday Sun Studio in Memphis, Tennessee. Am 27. März 1952 gründete Sam Philipps sein Plattenlabel. Und schrieb damit Musikgeschichte.

Bevor Autodidakt Samuel Cornelius Phillips die Idee eines eigenen Plattenlabels umsetzte, eröffnete er am 3. Januar 1950 in einem ehemaligen Heizungsreparaturladen in der 706 Union Avenue das Tonstudio Memphis Recording Service. In diesem Studio wurden mit einem transportablen Direktaufnahmegerät Presto PT900 und 6N, das unmittelbar auf Schallplatte aufnahm, ausschließlich Aufnahmen für fremde Plattenlabels produziert.

Die ersten Aufnahmen im neuen Studio machte im Juli 1950 Joe Hill Louis mit Gotta Let You Go / Boogie in the Park, das im August 1950 erschien. Der erste kommerzielle Auftrag für eine Aufnahme kam von Modern Records, für die der noch unbekannte Blues-Sänger B. B. King im Juli 1950 die Studios besuchte. Er spielte vier Titel ein, die als Mistreated Woman / B.B. Boogie (RPM #304) und The Other Night Blues / Walkin’ And Cryin’ (RPM #311) auf zwei Singles verteilt wurden. Am 27. Juli 1950 entstand I Feel Like A Million / Heartache Baby für Joe Hill Louis (Modern #795).

Am 27. März 1952 gründete Phillips mit Sun Records sein eigenes Plattenlabel. Auf diese Weise blieben sowohl die Produktions- als auch die Vertriebseinnahmen in einer Hand. Erste Platte im Katalog (Sun #174) war die am 1. März 1952 entstandene Single Blues in My Condition / Sellin’ My Whiskey für „Little“ Walter Horton, die jedoch wegen Kritik der Radiostationen unveröffentlicht blieb. Erst Sun #175 mit Johnny London und den Titeln Drivin‘ Slow / Flat Tire erschien im März 1952 offiziell in den Plattenläden. Am 8. März 1953 produzierte Phillips mit dem örtlichen Radio-DJ Rufus Thomas den Titel Bear Cat (#181, veröffentlicht am 4. April 1953), der als Antwort-Song auf Big Mama Thorntons zuvor erschienene Platte Hound Dog konzipiert war. Phillips hatte den Text des Originals leicht verändert und ließ sich als Komponist registrieren. Durch die auffällige Ähnlichkeit auch der Melodie zu Hound Dog wurde Sun Records im August 1953 von Peacock Records wegen Urheberrechtsverletzung verklagt und Peacock gewann. Sam Phillips musste deswegen an Peacock Records zwei Cents pro verkaufter Platte zahlen und überwies letztlich eine Summe von etwa 20.000 US-Dollar Schadensersatz, was den Schluss auf etwa eine Million Plattenumsätze zulässt. Bear Cat war der erste Titel, der von Sun Records in eine Hitparade gelangte (Platz drei der Rhythm & Blues-Charts).

Am 1. Juni 1953 nahm Phillips den Gesang von fünf Strafgefangenen auf, die sich ihrer Situation entsprechend The Prisonaires nannten und ihren selbstkomponierten Titel Just Walking in the Rain präsentierten, der am 8. Juli 1953 auf den Markt kam und über 250.000 Mal verkauft wurde. Sie erhielten vom Gouverneur die Erlaubnis, das Gefängnis zu verlassen und im Tonstudio aufzunehmen. Eine spätere Coverversion von Johnnie Ray erbrachte einen Umsatz von zwei Millionen Exemplaren. 1954 wurden das Studio mit zwei Ampex-350-Geräten aufgerüstet.

Im August 1953 kam Elvis Presley ins Tonstudio, um mit My Happiness und That’s When Your Heartaches Begin eine Platte für private Zwecke zu besingen. Am 4. Januar 1954 nahm Presley Casual Love Affair und I’ll Never Stand in Your Way auf und traf dabei auf Sam Phillips. Am 27. Juni 1954 lernte Presley seine Begleitmusiker Scotty Moore und Bill Black kennen, die gemeinsam für die folgende Woche einige Songs einübten.

 

 

Am 5. Juli 1954 fand Presleys erste kommerzielle Aufnahmesession bei Sun Records statt. Die erste Aufnahme war Harbor Lights, dann folgten I Love You Because und That’s All Right. Am nächsten Tag wurde Blue Moon of Kentucky eingespielt. Am 7. Juli 1954 präsentierte der Radio-DJ Dewey Phillips, der nicht mit Sam Phillips verwandt war, beim Memphis-Sender WHBQ als erster eine Platte von Elvis Presley, und zwar die Demo-Aufnahme von That’s All Right. Als am 19. Juli 1954 That’s All Right / Blue Moon Of Kentucky auf Sun #209 erschien, begann die Karriere von Elvis Presley – allerdings mit knapp 20.000 verkauften Exemplaren eher bescheiden. Presley behielt den überwiegend regionalen Charakter, solange er bei Sun Records unter Vertrag blieb.

„Ich suchte nach Leuten, die entrechtet waren. Sie waren politisch und wirtschaftlich entrechtet, und – um die Wahrheit zu sagen – sie waren auch musikalisch entrechtet“, sagte Phillips in einem Interview über die Suchrichtung für seine Talente. Aufmerksam geworden durch den noch bescheidenen Erfolg von Elvis Presley, zog es einige Talente in Richtung Memphis.

Von den späteren großen Stars kam als erster Johnny Cash in die Studios, um zunächst Gospelmusik vorzuspielen. Am 22. März 1955 entstand mit Hey! Porter und im Mai 1955 nach 35 Takes Cry, Cry, Cry (#221). Letzterer Titel erreichte nach Veröffentlichung am 21. Juni 1955 Rang 14 der Country-Charts. Ende Juli nahm Cash den Titel Folsom Prison Blues auf, der im Dezember 1955 veröffentlicht wurde und auf Platz vier der Country-Charts stieg. Johnny Cash übertraf die Plattenumsätze von Elvis Presley bei weitem, solange dieser bei Sun Records unter Vertrag stand.

Als nächster erschien Carl Perkins, der am 11. Juli 1955 Let The Jukebox Keep On Playing / Gone, Gone, Gone (#224) aufnahm. Am 27. März 1956 entsteht von Roy Orbison Ooby Dooby, das mit Go! Go! Go! auf Sun #242 im Mai 1956 veröffentlicht und 350.000 Mal verkauft wurde. Der Song wurde im Februar 1955 von Dick Penner und Wade Moore geschrieben, die im April 1957 als Wade & Dick unter Sun #269 die Single Bop Bop Baby veröffentlichten. Orbisons Erfolg bei Sun Records war jedoch begrenzt, da er sich mit Sam Phillips weder über das zu verwendende Songmaterial noch über die Stilrichtung seiner Musik einigen konnte. Unter der Aufsicht von Jack Clement wurde am 14. November 1956 erstmals Jerry Lee Lewis aufgenommen, und Crazy Arms / End Of the Road kam am 1. Dezember 1956 als Sun #259 auf den Markt.

Eine spontane Jam-Session, bei der die Tonbänder mitliefen, wird retrospektiv als „Million Dollar Quartet“ bezeichnet. Teilnehmer dieser Session am 4. Dezember 1956 waren der gelegentlich noch in den Sun-Studios auftauchende Elvis Presley, der Ende 1955 zu RCA gewechselt hatte, Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins.

Sun Records war eine auf Singles spezialisierte Plattenfirma, deren Katalog aus über 300 Singles bestand, eingeschlossen hierin die beim Tochterlabel Phillips International entstandenen Singles. Lediglich zwölf Alben (und acht beim Tochterlabel Phillips International) wurden veröffentlicht.

Am 1. Juli 1969 verkaufte Phillips den kompletten Label-Katalog an den ehemaligen Mercury-Produzenten Shelby Singleton, der den Kaufpreis von einer Million Dollar aus den Erlösen seines Crossover-Millionensellers Harper Valley P.T.A. von Jeannie C. Riley auf seinem Plantation-Label finanziert hatte. Singleton, der für eine regelmäßige und diskografisch sorgfältige Veröffentlichung des Sun-Records-Katalogs und auch der bisher unveröffentlicht gebliebenen Aufnahmen gesorgt hatte, starb am 7. Oktober 2009. „Ich konnte mit den großen Plattenfirmen nicht mithalten und sah gleichzeitig mein Plattenlabel auseinanderbrechen“, sagte Phillips dem Buchautor Peter Guralnick. „Meine Mission war es, aus einer Person herauszuholen, was drin war. Es galt, die einzigartige innere Qualität zu erkennen und den Schlüssel zu finden, sie zu erschließen.“

Das Sun Studio wurde 1987 als Museum und reguläres Tonstudio wiedereröffnet, und U2 war eine der ersten Bands, die hier aufnahmen.

Aktuelle Homepage: https://www.sunstudio.com/


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