RCA Victor ~ Portrait

Die Radio Corporation of America (RCA) war ein US-amerikanisches Unternehmen, das 1919 als Aktiengesellschaft von amerikanischen Elektronikherstellern gegründet wurde.

Das Unternehmen hatte seinen Sitz im Rockefeller Center in New York und war an der New York Stock Exchange gelistet.

Zur RCA gehörten unter anderem eine Autovermietung, ein Finanzinstitut, ein Buchverlag, mehrere Plattenlabel, ein Fernsehsender, ein Tiefkühllebensmittel-, ein Teppich- und der Geschenk- und Grußkartenhersteller Gibson.

Das Unternehmen wurde 1986 von General Electric für 6,28 Milliarden Dollar übernommen.

Heute fungiert RCA als Handelsmarke für verschiedene Unternehmen. Das RCA Trademark Management verwaltet die Marken. So wird RCA von VOXX International Corporation, Technicolor SA und Sony Music Entertainment für einen Teil ihrer Produkte genutzt.

Die Vorgeschichte der RCA

Während des Ersten Weltkrieges zwischen 1914 und 1918 wurden die Patente der größten Unternehmen in den USA, die sich mit der noch jungen Radiotechnik beschäftigten, in der Absicht, effektiver für das Militär produzieren zu können, zusammengeführt. Zu dieser Zeit wurden in den USA die Geräte und das Zubehör für die drahtlose Nachrichtenübertragung zum größten Teil für militärische Zwecke hergestellt.

Das Fundament für die RCA bildeten das vom italienischstämmigen Guglielmo Marconi gegründete Unternehmen American Marconi und die Zusammenarbeit der Unternehmen General Electric, Westinghouse Electric Corporation und United Fruit Company.

Nach dem Ersten Weltkrieg sahen viele US-Bürger das Radio als ein natürliches Monopol an. Die Navy versuchte, das Monopol für sich zu gewinnen, scheiterte aber.

Owen Young konnte den Amerikanischen Kongress davon überzeugen, General Electric (GE) und American Telephone and Telegraph (AT&T) ein internationales Radiomonopol bilden zu lassen.

1923 und 1924 war die Radio Corporation of America Gegenstand einer Anti-Trust-Untersuchung des Amerikanischen Kongressesund der Federal Trade Commission.

RCA wird zum Großkonzern

Die Radio Corporation of America wurde 1919 als Aktiengesellschaft im Mehrheitsbesitz von General Electric (GE) gegründet, ihr Geschäftsführer wurde David Sarnoff. Die Geschäftsordnung verlangte, dass das Unternehmen zum größten Teil in US-amerikanischem Besitz war. Die RCA übernahm das Vermögen von American Marconi und war verantwortlich für das Marketing von GE und Westinghouses Radiozubehör. Die RCA erwarb auch die Patente von United Fruit und Westinghouse im Austausch mit Eigentumsrechten.

Bis zum Jahr 1926 hatte die RCA den Markt für kommerzielles Radio in ihrer Hand. RCA kaufte die Radiostationen WEAF und WCAP von AT&T und verschmolz sie mit ihren eigenen Sendestationen, der WJZ aus New York und der Station WRC aus Washington D.C. zur neuen Senderkette National Broadcasting Company (NBC).

Im Jahr 1929 kaufte die RCA die Victor Talking Machine Company, den damals größten Schallplattenkonzern der Welt, der neben den Platten der Marke „Victrola“ auch Abspielgeräte produzierte. RCA nannte sich nun RCA-Victor. Mit Victor gehörten RCA die Rechte an einer der damals bekanntesten Handelsmarken auf dem amerikanischen Kontinent, dem Hund Nipper. Der Slogan war “His Masters Voice” – „Die Stimme seines Herrn“ und zeigte Nipper, wie er vor einem Grammophonlautsprecher ebendieser Stimme lauschte.

Die europäischen und Commonwealth-Rechte des Logos wurden von Victors unabhängigem britischen Partner His Master’s Voice gekauft, der heute zur EMI Group gehört. RCA-Victor produzierte viele Radiophonographen. Das Unternehmen erfand auch neue Techniken zur Vertonung von Filmen.

1931 bezog das Unternehmen das Hochhaus in der 570 Lexington Avenue in New York als Hauptsitz.

 

1939 stellte RCA ein 441-zeiliges Fernsehsystem auf der New Yorker Weltausstellung vor. Mit der Standardisierung des amerikanischen Fernsehsystems auf 525 Zeilen und 30 Bildern pro Sekunde durch das National Television Systems Committee (NTSC) und die Federal Communications Commission (FCC) startete am 1. Juli 1941 die erste Übertragung von kommerziellem Fernsehen in den USA.

Der Zweite Weltkrieg verlangsamte die Entwicklung des Fernsehens in den Vereinigten Staaten, aber nach Ende des Krieges begann RCA fast unverzüglich, wieder Fernsehgeräte zu verkaufen.

Die Monopolstellung der RCA wurde zunehmend als markt- und verbraucherfeindlich angesehen und führte schließlich zur Zerschlagung der beiden NBC-Radionetworks durch die FCC. Der Oberste Gerichtshof der USA bestätigte die Entscheidung. Am 12. Oktober 1943 wurde das NBC Blue Network für 8.000.000 Dollar an den Süßigkeitenmagnaten Edward John Noble (Life Savers) verkauft. NBC Blue wurde umbenannt in The Blue Network und wurde im Jahr 1946 zur American Broadcasting Company (ABC). Das Radionetwork NBC Red behielt den Namen NBC und blieb Eigentum der RCA.

1949 entwickelte RCA-Victor die erste 45-rpm-Schallplatte und brachte sie als Antwort auf die 33⅓-LP-Schallplatte von CBS/Columbia auf den Markt.

RCA-Videobearbeitungsmaschine aus den 1960er-Jahren

Das RCA-Farbfernsehsystem wurde 1953 vom NTSC zum Standard für das US-amerikanische Farbfernsehen erklärt. RCA-Kameras und Fernsehproduktionsgeräte wurden zum Standard für viele Affiliates der Big Three (ABC, CBS und NBC). Überraschenderweise sagte David Sarnoff 1955, dass das Fernsehen niemals ein Unterhaltungsmedium werden würde.

Die heutige Whirlpool Corporation übernahm 1955 die Klimaanlagen- und Küchengeräteproduktion von RCA und produzierte noch bis in die Mitte der 1960er Jahre unter dem Namen RCA-Whirlpool die Produkte.

Von 1977 bis 1979 vertrieb man die Spielkonsole RCA Studio II.

1980 wurde der 1967 übernommene Verlag Random House an Advance Publications veräußert.

Das im Jahre 1980 gekaufte Finanzinstitut wurde 1984 an Manufacturers Hanover Corporation für 1,5 Milliarden Dollar verkauft. Ebenfalls 1984 wurde die 1967 gekaufte Autovermietung The Hertz Corporation für 587 Millionen Dollar an United Airlines verkauft.

Die 1942 als eigenständige Einheit von RCA gegründeten Entwicklungslabore der Sarnoff Corporation, die 1951 in David Sarnoff Research Center umbenannt wurden, veräußerte General Electric 1987 an SRI International mit einer Mitgift von Forschungsaufträgen in Höhe von 250 Millionen Dollar.

Die Nachkommen des Großkonzerns

In vielen Bereichen ist die Geschichte der RCA die Geschichte von David Sarnoff, sein Schwung und sein Geschäftssinn machten aus der RCA zu ihrer Blütezeit einen der größten Konzerne weltweit. Mit 79 Jahren trat David Sarnoff 1970 zurück und sein Sohn Robert wurde sein Nachfolger. David Sarnoff verstarb 1971; der Erfolg der RCA begann zu schwinden.

Während der 1970er wurde die RCA immer unflexibler. Trotz der Tatsache, dass sie einen hohen technischen Standard in Bereichen wie Rundfunktechnik und Satellitenkommunikationszubehör hielten, verschlechterte sich die Situation anderer Geschäftszweige wie z.B. des NBC-Networks. Einige Diversifikationsversuche stellten sich als Flop heraus, zum Beispiel das innovative, aber technologisch veraltete Videokassettensystem SelectaVision.

1986 wurde die RCA von ihrer einstigen Mehrheitseigentümerin General Electric aufgekauft und aufgespalten. GE behielt, was ursprünglich Kern des RCA-Großkonzern war, insbesondere die National Broadcasting Company (NBC), welche in den Jahren 2009 und 2013 von General Electric an Comcast veräußert wurde.

Das Schallplattengeschäft wurde an den deutschen Medienkonzern Bertelsmann verkauft, der kurz darauf die Bertelsmann Music Group (BMG) formierte. 2004 schlossen Bertelsmann und Sony ihre Musiksparten (BMG und Sony Music) zu Sony BMG Music Entertainment zusammen. Das Unternehmen vertreibt weltweit unter anderem CDs unter RCA-geschaffenen Labels. Sony BMG hält die Lizenz, die Handelsmarke RCA auf unbegrenzte Zeit zu verwenden und hat heute Künstler wie Foo Fighters und Avril Lavigne unter Vertrag.


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