Boogie Woogie Stomp ~ von Michael Hortig

Michael Hortig aus Graz gehört zu den renommierten „Historianern“ im Bereich des Piano Blues und Boogie Woogie. Er hat unzählige Artikel in Fachzeitschriften und LP- und CD Rezensionen verfasst. Sein Wissen ist weltweit geschätzt. Hier ein wunderbarer Artikel über den Boogie Pianisten Albert Ammons, der als einer der drei großen Pianisten aller Zeiten gilt.

Albert Clifton Ammons wurde am 1. März 1907 in Chicago geboren. Seine Eltern, James Wesley Ammons und Adylle Anna Ammons, hatten noch einen weiteren Sohn, James, der am 22. August 1908 geboren wurde. Albert`s Vater hatte noch einen weiteren Sohn mit einer anderen Frau, Maurice, der ebenfalls 1908 geboren wurde.

 

Albert Ammons war zweimal verheiratet. Mit seiner ersten Frau hatte er zwei Söhne, Edsel und natürlich Gene Ammons, der in den 1940er und 1950er Jahren ein außergewöhnlicher Tenorsaxophonist werden sollte.

 

In der Webster Junior High School traf Albert Ammons Meade Lux Lewis. Beide verband das Interesse Blues- und Boogie Woogie am Klavier zu spielen. Lewis erinnerte sich später, dass sie beide Noten und Akkorde mit einem Stift auf die Tasten geschrieben hätten, oder auch das Spielen so verlangsamten, dass sie üben konnten, wie sich die Finger auf die Akkorde legen können.

Albert Ammons und Meade Lux Lewis

Während Lewis meistens in C-Dur spielte, versuchte sich Ammons auch in anderen Tonarten. Was ihm später als Bandpianist zu Gute kam. Ihre ersten Einflüsse waren Cow Cow Davenport, Eddie Miller oder auch Nick Aldrich. Vorallem aber hinterließ der junge Pianist Hersal Thomas bleibenden Eindruck bei Albert Ammons.

 

Hersal hatte 1925 seine Eigenkomposition „Suitcase Blues“ für OKEH Records aufgenommen, ist aber auch auf einigen Piano Rolls und Platten zu hören, begleitete immer wieder seine Schwester Sippie Wallace und seine Nichte, Hociel Thomas.

 

Sippie Wallace erinnerte sich einmal „Der kleine Albert kam jeden Tag vorbei um von Hersal zu lernen“.

 

Auch der Bandleader William Barbee hatte großen Einfluß auf Ammons. Er leitete das Headquarters Orchestra, in dem Ammons in den frühen 1930er Jahren am Klavier saß.

Obwohl Ammons und Lewis im selben Appartment-Haus an der 4435 Prairie Avenue Chicago wie Clarence Pinetop Smith wohnten, so scheint es, dass Pinetop nicht sehr viel Einfluß auf Ammons hatte.

 

So um 1925 begannen Albert und Meade für die Silver Taxi Cab Company als Fahrer zu arbeiten. Tagsüber. Und des Nachts spielen sie auf den House Rent Parties.

 

 

Ammons begann seine Musik-Karriere als Solo-, aber auch als Bandpianist. Er spielte in Clubs wie dem Paradise Inn South Bend, spielte auf Zügen, die von Chicago nach New Orleans und zurück fuhren und war professionell genug, um auch ein Engagement im Louis Banks Chesterfields Orchester oder bei den Francis Mosely Stompers zu bekommen. Das war zwischen 1931 und 1934.

 

Seine ersten Aufnahmen machte er als Begleiter von John Oscar und Sam Theard am 17. September 1934 mit dem Banks Chersterfields Orchester.

 

In den frühen 1930er Jahren stellte er auch seine eigene Band zusammen und spielte u.a. im Pevens 29 Club und auch in der Hills Tavern.

 

Drei italienische Brüder, Mike, Louie und Jimmy DeLisa, eröffneten ihren eigenen Club DeLisa an der 5516 South State Street und Ammons spielte dort von Juli 1935 bis Januar 1936 mit seinen Rhythm Kings.

 

Die Rhythm Kings waren: Bobby Hicks oder Gui Kelly, Trompete. Jimmy Hoskins, Schlagzeug. Delbert Bright, Saxophon. Ike Perkins, Gitarre und Lawrence Sims oder Israel Crosby am Bass. Einige der Musik aus der ersten Formation, wie z.B. Crosby oder Perkins arbeiteten mit Ammons bis zu dessen Tod.

New York ~ Carnegie Hall ~ Cafe Society

Der Jazzsammler, Veranstalter und Journalist John Hammond schrieb einen Artikel über einen Aufritt der Ammons Rhythm Kings im Club DeLisa: „Eine Band aus unbekannten Musikern, geleitet von Albert Ammons, spielte, und das ist keine Übertreibung, derart toll dass es mich umhaute. Im Osten gibt es keine Rhythm Section, die mit dieser vergleichbar wäre. Und keinen Pianisten der kraftvoller spielen kann als Ammons. Und falls doch, ich habe noch keine gehört“.

 

Es war Hammond, der inspiriert durch die populären Songs von Cleo Brown und Chuck Segar, Lewis und Ammons im Jahr 1935 „entdeckte“. Und das führte auch zu einer Wieder-Aufnahme des „Honky Tonk Train Blues“ von Meade Lux Lewis. Bereits im Jahr 1927 hatte er diesen Song für Paramount aufgenommen.

 

Ammons machte die ersten Aufnahmen mit seinen Rhythm Kings für Decca Records im Jahr 1936. Ein Meisterwerk aus dieser Aufnahme-Session ist der „Boogie Woogie Stomp“, der da zum ersten Mal auf Platte gepresst wurde.

 

 

Am 23. Dezember 1938 organisierte John Hammond in der New Yorker Carnegie Hall das Konzert „From Spirituals To Swing“. Und engagierte Albert Ammons und Meade Lux Lewis. Dort trafen die beiden auf Pete Johnson und Big Joe Turner aus Kansas City. Dieses Konzert wurde von einen großen Publikum wahrgenommen und führte zu einem richtigen Boogie Woogie Boom in Amerika.

 

Anschließend an das Konzert in der Carnegie Hall traten Ammons, Lewis, Johnson und Turner in berühmten Nachtclubs auf. Zum Beispiel im Cafe Society in New York, oder auch im Sherman Hotel in Chicago. Ammons und Lewis machten auch Aufnahmen, zum Beispiel für das Solo Art Label und die aller ersten Aufnahmen für ein damals völlig unbekanntes Label namens Blue Note Records.

Meade Lux Lewis zog im Jahr 1940 zurück nach Chicago, aber Albert Ammons und Pete Johnson spielten weiter im Duo. Am 19. September 1941 bekamen sie ihre eigene Radioshow auf dem Sender WABC und sendeten jeden Montag. Ab 1943 machten sie auch Sendungen für Armed Forces Radio Service.

Den größten Erfolg hatten sie aber mit einer Aufnahme im Jahr 1941 für die Plattenfirma Victor. Das Album hieß „Eight to the Bar“ und enthält Meisterwerke wie „Foot Pedal Boogie“, „Sixth Avenue Express“ oder auch „Movin the Boogie“.

1941 spielten Ammons und Johnson auch im Kurzfilm „Boogie Woogie Dream“ gemeinsam mit Lena Horne und dem Teddy Wilson Orchester. Ihre Partnerschaft hielt bis Mitte der 1940er Jahre.

Ammons begann wieder mit Plattenaufnahmen, diesmal für Commodore. Das war 1944 und er reanimierte die Rhythm Kings. Diesmal variierten auch die Bandmitglieder, so sind u.a. zu hören: Hot Lips Page, Don Byas, Marvin Randolph und auch Albert`s Son Gene Ammons.

Es scheint, als wenn nur Perkins und Israel Crosby auf nahezu allen Aufnahmen dabei sind.

Die letzten Jahre

1945 erhielt Ammons einen neuen Plattenvertrag, diesmal mit Mercury Records und im September ging es mit den Aufnahmen los. Am 2. Juli 1946 spielte er eine Boogie Woogie Version von „Swannee River“ ein, die sich nicht nur hervorragend verkaufte, sondern auch großen Einfluß auf den späteren Rhythm & Blues haben sollte.

 

Auch wenn er ein gefeierter Plattenkünstler war, sein exzessiver Alkoholkonsum ruinierte seine Gesundheit und Arthritis verhinderte, dass er weiter spielen konnte.

 

Er nahm noch ein paar Platten für Mercury auf, spielte auf der Vereidigung des Präsidenten Harry S. Truman im Jahr 1949, spielte Klavier bei Aufnahme-Sessions mit Lionel Hampton und seinem Orchester.

 

Dass der Boogie Woogie Boom bereits am abklingen war, damit kam Ammons nicht gut zurecht. Er reiste nicht mehr viel, spielte meist in den kleinen Clubs in Chicago wie dem Beehive, begleitete Mama Yancey auf Konzerten. Bei einem dieser Auftritte in einem Club an der East 47th. Street brach er zusammen und starb innerhalb weniger Stunden am 3. Dezember 1949.

 

Jeder, der Ammons traf, sagte, er sei ein freundlicher Charakter gewesen. Er genoß es, seine Freunde bis in die frühen Morgenstunden zu unterhalten und war stolz auf seinen Sohn Gene und seine musikalische Entwicklung. Oft konnte man ihn bei den regelmäßigen Jam Sessions im Haus von Jimmy Yancey antreffen.

 

Albert Ammons Klavierspiel war kraftvoll und energiegeladen. Seine linke Hand Bassfiguren passten perfekt zu den Trillern und Akkorden, die er in der rechten Hand spielte. Es gibt Bilder, die zeigen, wie er mit zwei Fingern auf einer Taste spielte.

 

„Boogie Woogie Stomp“ dürfte wohl das kraftvollste Piano Solo des Boogie Woogie Booms sein. Seine Aufnahmen bekannter Songs, wie z.B. „Margie“, „Deep in the heart of Texas“ oder auch „You are my sunshine“ ernteten aber auch Kritik.

 

Wie dem auch sein, Albert Ammons Boogie Woogie Stil legte den Grundstein für den sich daraus entwickelnden Rhythm und Blues.

 

Dank an Phil Kiely, Dick Mushlitz, Bob Seeley, Charley Castner, Konrad Nowakowski, Peter Sylvester und Axel Zwingenberger. Ein ganz spezieller Dank geht auch an Christopher L. Page, der auf seiner Suche nach Familienmitgliedern von Albert Ammons viele Fakten und unbekannte Fotos für sein Buch „Boogie Woogie Stomp“ zusammen getragen hat.

Ein Abend mit Albert Ammons im Dezember 1948 – von Dick Mushlitz

 

Im Dezember 1948 spielte ich mit meiner Band, den Salty Dogs, einen Auftritt in Chicago. Nach dem Konzert wollten wir unbedingt noch zu einer dieser endlosen Parties in Jimmy Yanceys Appartment an der 11 West35th. Straße.

 

Diese Sessions waren legendär, weil dort viele unbekannte, aber auch bekannte Pianisten anzutreffen waren. Doug Suggs, Freddie Shayne oder Clarence Lofton. Letzter war bekannt dafür, spät zu kommen, kurz zu spielen um dann wieder zu verschwinden.

 

Als wir eintrafen war die Session im vollen Gange. Wir stellten uns vor, und wurden den Gästen vorgestellt. So auch Albert Ammons, der an diesem Abend da war. Für eine Nummer lud mich Albert Ammons ein, Waschbrett zu spielen, während er das Klavier bearbeitete. Mama Yancey sang auch noch ein paar Songs, begleitet von Ammons, wie sie es in diesen Tagen auch in verschiedenen Clubs in Chicago machten.

 

Glücklicherweise hatte ich meine Fotokamera dabei. Es sollten die letzten Aufnahmen von Albert Ammons sein, bevor er im Dezember 1949 starb.


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